Wahoo TICKR X – als Herzfrequenzmesser getarnter Trainingscomputer

Blogbeitrag WAhoo TICKR X

Ich halte die Box des Wahoo TICKR X in der Hand und komme ins Grübeln: Ein weiterer Brustgurt zur Herzfrequenzmessung, ist es das wirklich, was die Welt braucht? Dann vielleicht noch von einem Drittanbieter. Gerade in Zeiten optischer Sensorik am Handgelenk, die den Gurt obsolet macht, ist dies eine durchaus berechtigte Frage. Doch ich wurde eines Besseren belehrt. Der TICKR X bietet so viel mehr, als nur die Funktion eines Herzfrequenzsensors. Bleibt dran, ihr werdet staunen. Hier mein Produkttest zum Wahoo TICKR X:

Verpackung und Design: edel und hochwertig

Wie schon beim Wahoo-KICKR-Rollentrainer kommt die Aufmachung des TICKR-X-Herzfrequenzsensors edel daher. Allein schon die Box, in Weiß und Grau gehalten, wirkt durch haptische Schrift und Grafiken hochwertig und überzeugt mich als Kunden eine gute Entscheidung getroffen zu haben, ohne dass ich das Produkt selbst in der Hand oder getestet zu haben. Während mir persönlich die erste Generation noch etwas billig im Erscheinungsbild daherkam, bestätigt bei diesem Modell der glänzend weiße Sensor mit großem Wahoo-Schriftzug die Arbeit der Designer. Außerdem im Paket beinhaltet sind der Brustgurt, die Garantie- und Haftungserklärung, sowie eine Schnellstart-Anleitung. Kurz zusammengefasst: Der TICKR X schützt nicht vor dem Tod und haftet nicht im Todesfall. Doch genug davon, von Verpackung und Aussehen. Letztendlich zählen die inneren Werte.

Wahoo TICKR X Verpackung

Das Herzstück - Innere Werte

Mit 12 Millimeter Dicke und sagenhaften 46 Gramm ist der TICKR X extrem schlank und eine, wenn nicht sogar, wie Wahoo selbst angibt, der leichteste Herzfrequenzmesser auf dem Markt. Durchschnittlich 500 h soll der Sensor im Betrieb mit einer einfachen CR2032-Knopfzelle laufen. Ich lege mir den Brustgurt an. Klassisch wird der verstellbare Gurt über zwei Druckknöpfe mit der Sensoreinheit verbunden. Beim Einschnappen leuchtet der TICKR X auf. Rote und blaue LEDs blinken und ich fühle mich direkt, wie der Zufall so will, wie der Marvel Superheld Iron Man, der seine Kraft aus einem Elektromagneten in der Brust zieht. Somit lässt sich sofort feststellen, ob die Herzfrequenz (rote LED) erkannt wurde und durch verschiedene blaue Signal-Frequenzen, wie der Status der drahtlosen Verbindungen ist.

Drei Bluetooth-Verbindungen wohnen, ach! in meiner Brust

Neben der ANT+- lassen sich drei Bluetooth-Verbindungen aufbauen und zwar gleichzeitig. Als Mann der Tat und der Freude eines Kindes lass ich es mir nicht entgehen neben Zwift auf meinem Tablet, den Fahrrad-Computer meine Herzfrequenz in der Wahoo-App auf meinem Handy anzeigen zu lassen. Zur Verbindung mit der App muss der Pulsgurt getragen werden. Das Handy erkennt den Sensor sofort, es braucht bei mir jedoch mehreren Anläufen bis die Verknüpfung steht. Seitdem gab es keine Verbindungsprobleme mehr. Alle Drittgeräte werden auf Anhieb gefunden. Zwar hatte ich im Vorhinein nie wirklich vermisst, meinen Puls z. B. auf Garmin und Zwift zu haben, dennoch möchte ich dieses Gefühl der Vollständigkeit in den verschiedenen Trainings- und Auswertungsplattformen nicht mehr missen.

Integrierter Speicher - mehr als nur ein Herzfrequenzmesser

Hauptunterschied des TICKR X zu dem etwas günstigerem TICKR ist der integrierte Speicher. Legt man den Gurt ohne Verbindung zu einem Gerät an, zeichnet er bis zu 50 h automatisch die Herzfrequenz, die Zeit und die Kalorien auf. Für alle weitere Funktionen muss ein Drittgerät in Reichweite sein. Da kommt mir als erstes der Anwendungsfall meiner letzten mündlichen Uni-Prüfung in den Sinn, die ich zur Messung meiner Aufregung mit Puls-Gurt bestritten hatte. Mit dem TICKR X kein Problem, musste ich damals schauen, dass ich mich nicht zu weit von meiner klobigen Sportuhr in meinem Rucksack entferne.

Wahoo TICKR X Brustgurt

Natürlich überwiegt der sportliche Nutzen und ich muss ich die Funktion natürlich unbedingt auch ausprobieren. Bei der nächsten Kraftausdauereinheit im Fitnessstudio, zu dem mein Handy eher hinderlich ist und auch eine Uhr am Handgelenk stört, lege ich mir nur den Brustgurt an; bereits in der Umkleidekabine. Meine ersten Sorgen, dass durch den sofortigen Start der Aufzeichnung beim Einschnappen der Druckknöpfe meine Werte verfälscht werden, bewahrheiten sich nicht. Dies lässt sich hinterher durch einfaches Zurechtschneiden der Einheit in der Wahoo-App wieder beheben, sodass am Ende wirklich nur die Herzfrequenz während des Trainings in der Übersicht auftaucht. Nach der Einheit voller Freiheit, ohne räumliche Einschränkungen behalte ich mit diesem Wissen den Gurt auch beim Duschen an. Natürlich für die Reinigung, aber nicht ganz ohne Interesse, wie sich mein Puls nach dem Training entwickelt hat. Für die Interessierten, unter 30°C Wassertemperatur steigt mein Puls auf über 100 Schläge pro Minute.

Doch nicht nur Profi-Duscher und Profi-Sportler kommt mit dieser Funktion auf ihre Kosten. Gerade Hobby-Läufer, bei denen ihre Gesundheit und der Spaß an der Bewegung und nicht die absolvierte Distanz im Vordergrund steht, finden im TICKR X einen Allround-Begleiter für viele Sportarten und Anwendungsfälle ganz ohne zusätzliches Equipment.

Speichern ohne ein externes Gerät, ein wirklich nützliches Feature, wodurch der Aufpreis von 30 € des TICKR X gegenüber dem TICKR für jeden Daten- und Kontroll-Freak, sowie dem Gelegenheitsläufer ohne Sportuhr, dem Kalorien, Zeit und Puls ausreichen, eine Überlegung wert sein sollte.

Doppelt hält besser - Zwischenzeiten durch Doppel-Tap

Beim Auswerten einer Einheit im integrierten Speichermodus fällt mir auf, die durchschnittliche Herzfrequenz ist mir nicht genug. Zu sehr variiert die Differenz von Be- und Entlastung und die Reaktionszeit des Herzens lässt keinen klaren Unterschied zwischen Pausen und Intervallen zu, um daraus einen vernünftigen Schluss ziehen zu können. Doch auch hierfür hat Wahoo eine Lösung parat. Durch zweimaliges Tippen auf den Sensor wird eine Zwischenzeit genommen. Dies jedoch nur bei einer bestehenden Bluetooth-Verbindung mit der Wahoo-App. Dennoch ein Feature, dass nicht nur bei mir je nach Anwendungsfall sicher Anklang findet. Und irgendwas muss es ja noch zu verbessern geben.

Schwimmen - wenn dir das Wasser bis zum Hals steht

Das Waschen ist aus Hygienegründen auch für den Pulsgurt ein Muss. Wie sieht es aber beim Schwimmen aus? Rein technisch gesehen, ist der Sensor bis zu 1,5 m wasserdicht. Während über die Vorgängerversion Beschreibungen kursieren, bei denen der Sensor im Wasser starke Schwächen aufweist und die Daten unbrauchbar werden, soll der neue TICKR X zum Schwimmen geeignet sein. Kurzum den Gurt mit und ohne Neoprenanzug im Wasser getestet, konnte ich feststellen, dass der neue Gurt kontinuierliche und plausible Werte ausgab. Leider wurde der Verlauf jedoch aufgrund der sendenden Frequenz, die unter Wasser nicht zu funktionieren scheint, weder bei mir, noch bei anderen Nutzern auf ihrer Uhr sichtbar gemacht werden. Der Auswertung des internen Speichers in der Wahoo-App stand bei meinem Test jedoch nichts im Wege.

Trittfrequenz - ein Herz für Radfahrende

Eine Funktion, über die ich stolpere, kann ich erst nicht glauben: Trittfrequenz auf dem Rad. Logisch betrachtet, ist dies mit einem Beschleunigungssensor und die frequentierte Oberkörperbewegung auf dem Rad einfach umsetzbar und dennoch eine Innovation und ein Novum auf dem Markt. Besitzt man nicht gerade eine Powermeter, bei dem dies meist integriert ist, sind Trittfrequenz neben dem Puls die besten Indikatoren für die Steuerung des Trainings. Mit dem TICKR X kriegt man beide Funktionen in einem Gerät und ohne Schrauben jederzeit auf jedes Rad und natürlich auch auf den Home-Trainer übertragen.  Und es funktioniert: In einem Test-Run mit einem externen Trittfrequenzmesser und dem TICKR X erreiche ich die gleiche durchschnittliche Trittfrequenz und auch bei Überlagerung der Kurven gibt es nichts zu beanstanden. Selbst im unwegsamen Gelände, wo man vermuten könnte, dass die Vibration die Werte beeinflusst werden, lässt sich der TICKR X nicht überlisten. Der Gegentest, meinen Oberkörper so ruhig wie möglich zu halten, tut den Werten ebenfalls keinen Abbruch. Also keine Sorgen, liebe Radsport-Ästheten, ein leichtes Wippen im Fahrstil hat jeder und dieser reicht aus.

Laufen – alles was das Herz begehrt

Neben dem Radsport ist das Laufen die Disziplin, bei dem ein Herzfrequenzsensor bei mir in keiner Einheit fehlt. Umso ausführlicher konnte ich testen, was der TICKR X für den Läufer alles zu bieten hat. Der Wahoo-Pulsgurt sitzt angenehm nah am Körper, rutscht nicht und ist auch durch sein geringes Gewicht beim Joggen kaum zu spüren. Die Herzfrequenz wurden über die App auf meinem Handy, eine Garmin- und eine Polar-Laufuhr ohne Aussetzer angezeigt und aufgezeichnet. Für einen Pulsgurt ist dies die Grundvoraussetzung, dennoch nicht bei allen Herstellern gegeben und daher durchaus eine Erwähnung wert. Einzig bei Personen mit Herzrhythmusstörungen gibt es keine positiven Nachrichten. Hier ist der TICKR X genauso überfordert, wie alle getesteten Sensoren vieler anderer Hersteller.

Athlet mit TICKR X2 Brustgurt

Neben der Herzfrequenz konnte ich bei Kopplung mit meiner Sportuhr nur die Sensor-Daten des integrierten Speichers (Kalorien und Dauer) einsehen. Die weiteren, unten aufgeführten Funktionen waren nur beim Laufen mit Handy und Starten der App verfügbar. Bei neueren Sport-Uhren und Smart-Watches lässt sich laut Hersteller die Laufdynamik mit Bodenkontaktzeit, Kadenz und vertikale Laufamplitude in Echtzeit verfolgen und gegebenenfalls darauf reagieren.

Als Smart-Watch-abstinente Person schnapp ich mir den rosa Laufgürtel meiner Frau und ziehe mit Handy und App im Gepäck los. Die konfigurierbaren Trainingsseiten in der App lassen keine Wünsche offen. Ob Karte, Laufgleichmäßigkeit, Höhe, Bewegungsanalyse muss ich mich zügeln, mich aufs Laufen zu konzentrieren. Zuhause angekommen, kann ich die gewonnenen Daten erst richtig genießen. Ich gehe die Datenblätter durch: Die Standarddaten, wie Laufroute auf der Karte, (Durchschnitts-)Geschwindigkeit, Kilometerzeiten, (Durchschnitts-)Puls, Höhenmesser und Herzfrequenzzonen sind natürlich vorhanden und deren Verläufe nachvollziehbar in interaktiven Graphen dargestellt. Ebenso verhält es sich mit der Schrittfrequenz, die inzwischen in den meisten Laufuhren integriert ist. Dann wird es spannend: Bodenkontaktzeit und vertikale Bewegung. Auch in der App in Echtzeit verfolgbar, kann der Benutzer direkt auf die Laufökonomie reagieren. Erst nach mehreren Läufen lassen sich die Daten für mich einordnen und mit dem subjektivem Laufgefühl von „schwerfällig“ bis „leichtfüßig“ abgleichen. Hier und da lässt sich noch Potential entdecken und die ein oder andere Übung zur Verbesserung in einen Lauf einbauen.

Gänzlich neu ist für mich die Running-Smoothness oder auch Laufgleichmäßigkeit. Der Wert stellt eine Berechnung aus der Messung von Körperbewegung und Aufprallkraft in drei Richtungen dar. Kurz gesagt, je höher der Wert ausfällt desto mehr deiner Energie wird in den Vortrieb gesteckt. Durchaus interessant, jedoch zu komplex, um in meiner Testphase des Gurtes weitere Schlüsse ziehen zu können.

Aus Läufersicht bin ich durchaus angetan. Wahoo hat hier viele interessante Funktionen vereint, die jedem, der bereit ist sich damit zu beschäftigen, einen Mehrwert verspricht. Aber auch alle anderen können sich über detaillierte Informationen freuen, die gebündelt in der App einzusehen sind.

Geeignet fürs Spinning – ich glaub‘, ich spinn‘

Auch wenn die meisten Spinning-Räder heutzutage mit Puls, Pulszonen und Trittfrequenz ausgestattet sind, lassen sich die Daten nicht mit nach Hause nehmen. Am Ende kann man sich zwar meist Durchschnittswerte ausgeben lassen und später in die Trainingsplattform einpflegen, das war es aber schon. Somit bietet der TICKR X auch für Spinning-Liebhaber den Mehrwert, ihre Daten vollständig und auswertbar sammeln zu können. Und mal ehrlich, ein Training gestaltet sich doch umso schöner, wenn sich der Puls- und Trittfrequenzverlauf grafisch anzeigen und analysieren lassen.

Laufband, lauf

Gerade in der heutigen Situation gewinnt das Laufband immens an Beliebtheit. Für alle Freunde des Laufens auf der Stelle hat Wahoo besondere Funktionen in seinen TICKR X eingebaut. Da ich kein Laufband zur Verfügung hatte, ich euch die Funktion jedoch nicht vorenthalten möchte, weise ich darauf hin, dass folgende Erfahrungen aus anderen Rezensionen stammen und von mir nicht überprüft wurden. Der TICKR X verfügt über eine spezielle Laufbandfunktion, die den Sensor mit dem Laufband kalibriert und somit eine akkurate Messung der Laufgeschwindigkeit und -distanz ermöglicht. Die Laufbanddaten lassen sich somit über die App aufzeichnen und werden mit Geschwindigkeit und Distanz in deiner Trainingsplattform aufgeführt. Da es wirklich zu funktionieren scheint, ist dies eine toller Ergänzung für alle Indoor-Sportler.

Mein Fazit

Wahrscheinlich habe ich die ein oder andere Funktionen und manch ein Anwendungsbeispiel vergessen. Aber gerade das zeigt mir, dass ich es mit dem Wahoo TICKR X nicht nur mit einem Herzfrequenzmesser, sondern mit einem als solchen getarnter Trainingscomputer zu tun habe, der weit über meine Erwartungen hinaus geht. Angefangen vom Design über die Lauf- und Rad-Features bis zum integrierten Speicher, der jedes Herz, vom Gelegenheitssportler bis zum Profi, höherschlagen lässt, bereichert der TICKR-X-Sensor das Training und ist in seinen Funktionen so breit gefächert, dass er für jeden Anwendungsfall einen Mehrwert darstellt. Ich hätte nie gedacht, dass mich ein Herzfrequenzsensor so überzeugen kann. Daher gibt es von mir eine klare Kaufempfehlung!

Elias
Paceheads Profi-Triathlet & Coach.

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