Ist das noch Radfahren oder kann das weg – Bike-Trainer, ein Meisterwerk der Ingenieurskunst

Bike Trainer Training Paceheads

Im Oktober 2016 erschien in der ZEIT ein Artikel mit dem Titel Triathlon, ein Sport für deutsche Ingenieure. Darin wurde beschrieben, was einen erfolgreichen Triathleten ausmacht und warum Made in Germany im ingenieurswissenschaftlichen und triathletischen Bereich international ein Qualitätsmerkmal darstellt. Ich finde, dieser Artikel hat sich in den letzten Jahren noch mehr bewahrheitet, und das global gesprochen und unabhängig davon, dass die deutsche Siegesserie weiter fortgeführt wurde. Triathlon ist nun mal eine Sportart für Athleten, die in der Lage sein müssen, ihre Performance in drei Sportarten möglichst zeitsparend und effektiv zu verbessern. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Entwicklung des Indoor-Trainings auf dem Rad in den letzten Jahren. Nicht nur der Rollentrainer an sich, sondern auch das Rollentraining ist ein Meisterwerk der (Ingenieur-) Wissenschaft. Geschickt hat man sich den Problemen des Radfahrens angenommen, sich witterungs-, jahres- und tageszeitunabhängig gemacht, mögliche Gefahren durch Stürze, Verkehrsteilnehmer und Straßenschäden eliminiert und dabei die Effizienz und die Leistung erhöht. In dieser Blogreihe kommen die wichtigsten Technik- Motivations-, und Trainings-Tipps und -Tricks für Rolle-Fahrer und solche, die es noch werden wollen. Ich kann euch sagen: Es geht rund.

Was ist Rollentraining überhaupt?

Rollentraining ist das Absolvieren des eigenen Trainingsprogramms, auf seinem eigenen Rad in den eigenen vier Wänden im Einverständnis der Wohn- und Lebenspartner.

Jeder kennt die Bilder von Fitnessstudios. Überfüllte Räume, wo dicht gedrängt Fitness-Enthusiasten im Gleichtritt zur lauten Musik die Schwungscheiben ihrer Spinningräder in Bewegung setzten. Übereifrige Triathleten und Radsportler werden hier aber eher ungern gesehen. Vor wenigen Jahren erfolgte ein Boom der Indoor-Fahrrad-Industrie sowohl aus technischer Sicht, als auch im Bereich der Unterhaltung. Es war nun möglich das eigene Rennrad auf so genannten Rollentrainern zu spannen und sein Training im eigenen Wohnzimmer zu absolvieren.

Produktbild wahoo KICKR
Bike-Trainer Wahoo KICKR

Was braucht man alles zum Rollefahren?

Grundausstattung zum Indoor-Radtraining sind ein Fahrrad und ein Rollentrainer. Leider gilt auch weiter, wie so oft im Leben: Mehr Equipment bringt häufig mehr Spaß. Zusatzausstattungen, angefangen mit einem Powermeter bis zu Smart-Trainern, spiegeln sich aber auch im Preis wider. Von Steigungssimulator, dem KICKR CLIMB von Wahoo, über einen Fahrtwindsimulator, dem Wahoo KICKR HEADWIND, ist dem Erfinderreichtum keine Grenze gesetzt.

Was ist der Unterschied zwischen den Bike-Trainern?

Es gibt inzwischen unzählige Marken und Modelle von Bike-Trainern. Die zwei grundlegende Modellarten, die sich etabliert haben, sind Rollentrainer im Wheel-on-Design und solche mit Direktantrieb. Bei ersterem wird das Hinterrad in den Trainer einzuspannen und durch die Reibung des Reifens mit einer bremsenden Rolle Widerstand generiert. Ein Beispiel hierfür ist der Wahoo KICKR SNAP. Trainer mit Direktantrieb haben, wie es beim Wahoo KICKR und Wahoo KICKR CORE der Fall ist, statt eines Hinterrads einen Freilauf mit Kassette direkt am Rollentrainer. Die Last wird über eine gebremste Schwungscheibe aufgebracht. Letzteres ist hauptsächlich bei höherpreisigen Modellen zu finden und bietet meist ein realistischeres Fahrgefühl. Unabhängig von der Montageart gibt es sogenannte Smarte Trainer. Trainingsprogramme mit automatischer Wattsteuerung können vorprogrammiert, Berge und Windschatten simuliert und virtuelle Rennen gefahren werden. Alle Wahoo-Trainer besitzen diese Funktion. Sie kommen mit hochpräzisem, integrierten Powermeter, sind mit allen Arten von Rädern kompatibel und können mit ANT+- oder Bluetooth-fähigen Geräten verbunden und gesteuert werden. Neben der Art ihres Aufbaus unterscheiden sich die Modelle von Wahoo in maximaler Leistung und Steigung (12-20 % Steigungssimulation je nach Modell). Überschreitet man gerne mal die Wattzahlen von 1500 Watt, sollte man sich mindestens für den KICKR CORE, wenn gar 1800 Watt sich für den KICKR entscheiden.

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Wahoo KICKR mit KICKR Climb zur Steigungssimulation

Meine Erfahrung mit Bike-Trainern

Für mich, der bereits bei 20 °C auf dem Rad zu frieren anfängt, sind die Entwicklung von Rollentrainern und die Weiterentwicklung die sportliche Innovation der letzten Jahre. In Deutschland im Winter nicht unbedingt mit warmen Temperaturen gesegnet, absolviere ich während der kalten Jahreszeiten meine Radeinheiten ausschließlich auf dem Indoor-Trainer und selbst im Sommer einige Schlüsseleinheiten. Vor zehn Jahren mit einer einfachen Anfängerrolle, wo die Nachbarn drei Häuser weiter noch die Vibration spürten, bis zu meinem heutigen Wahoo KICKR CORE bin ich viele Modelle testgefahren und muss sagen, noch nie war Training so schön, so leise, so kontrolliert. Die Wahoo-Trainer kommen alle schlank, mit hochwertigem Look und unauffällig edel, ohne hässlichem Plastikgehäuse daher und sorgen mit einem schmucken Rad selbst im Wohnzimmer für neidische und anerkennende Blicke. Die Wahoo-App ist selbsterklärend. Alternativ steigt man einfach auf und fährt los. Ist kein Programm aufgespielt, wird der Widerstand automatisch angepasst. Im Fahrgefühl liegen neben der Lautstärke der größte Unterschied und Vorteil zwischen früheren und heutigen, sowie zwischen günstigen und preislich gehoberen Modellen. Doch was genau meine ich damit? Während bei preiswerten Trainern durch die aufgebrachte Last das Hinterrad nach Pausieren des Tretens bereits nach einer halben Umdrehung zum Stillstand kam, rollt bei höherklassigen Modellen der Freilauf realistischerweise noch eine Weile aus. Nicht nur beim Wiederantreten, sondern auch an den Totpunkten zwischen Zug- und Druckphase vermittelt der Bike-Trainer eine Leichtgängigkeit, die sonst nur in der freien Wildbahn zu fühlen ist.

Ja, Rollefahren ohne Verkehr, schlechte Straßen, Temperatur- und Wetterschwankungen und sonstigen Hindernissen, die ein reibungsloses Fahren verursacht, ist für mich das bessere Training und durch seine Steuerbarkeit von Intervallen und der Effektivität mehr als eine Alternative und mehr als nur für kalte Tage. Und das Fahrgefühl ist einfach der Wahnsinn, denke ich mir, während ich auf meinem kaum merklich schnurrendenden Wahoo-Trainer mit 40 km/h durchs Wohnzimmer rase. Meine Frau schläft direkt neben mir auf dem Sofa, bevor wir wenig später die Plätze tauschen.

Warum Rollentraining mehr als nur eine Ausweichmöglichkeit für kalte Tage ist, wie ihr zeiteffizient und effektiv trainiert und welche Fehler ihr beim Indoor-Training am besten vermeidet, lest ihr im nächsten Blog-Artikel. Lasst es uns wissen, falls Fragen unbeantwortet geblieben sind und welche Themen euch noch interessieren.

Ich hoffe, man sieht sich bei der einen oder anderen Trainingsausfahrt oder einfach so auf den Strecken von Zwift. Bis dahin: keep rolling.

Euer Elias von Paceheads

Elias
Paceheads Profi-Triathlet & Coach.