HOVR MACHINA – Was kann das Hightech-Modell von Under Armour?

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Wer vor einigen Jahren an Laufschuhe gedacht hat, dem kamen die großen Marken wie ASICS, Adidas und Nike in den Sinn. Wohl kaum aber hätte jemand Under Armour in dieser Liste aufgezählt. Der US-Amerikanische Hersteller von Sportartikeln überzeugte bisher mit funktioneller Kleidung und ist im Fitnesssegment weltberühmt, stellt aber, seien wir mal ehrlich, im Laufschuhsegment eine Nischenprodukt dar. Googelt man heute nach den neusten Innovationen auf dem Laufschuhmarkt, kommt man an Under Armour nicht vorbei. Selbst in der Aufzählung schneller Wettkampfschuhe, wird das Spitzenmodell, HOVR MACHINA, in einem Atemzug mit den Carbon-Schuhen von Nike, Saucony und New Balance genannt. Kann Under Armour mit seinem neusten Hightech-Schuh den Laufschuhmarkt erobern? Um es vorweg zu nehmen: Meiner Meinung nach haben sie definitiv das Potential dazu! Aber was macht das Topmodell so besonders? Ein kurzer Erfahrungsbericht:

Technik- und Analysefans kommen auf ihre Kosten

Ich hole den HOVR MACHINA aus dem Karton und ein strahlend roter Schuh glänzt mir entgegen. Mit seinem stufenlosen Farb-Übergang bis in die Sohle ist er definitiv ein Hingucker und eher für Kulisse eines großen City-Marathons designt, als für meinen kleinen Stadtwald. Der HOVR-Schaumstoff, den Under Armour bei allen Schuhen ihrer neuen Lauf-Kollektion einsetzt, wurde beim Top-Modell mit einem Kompressionsstoff umnetzt. Neben dem einzigartigen Design sorgt dies zusammen mit der Propulsive Platte aus Pebax und einer Carbon-Mischung für noch mehr Rückgewinnung der investierten Energie.

Bisher einzigartig ist ein eingebauter Sensor, der zahlreiche Laufdaten dort erfasst und speichert, wo sie auftreten: Direkt im Schuh. Das lässt nicht nur die Herzen der Technik- und Analysefreaks, wie es vor allem Triathleten oftmals sind, höherschlagen. Daten wie Schrittlänge und -frequenz, aber auch Bodenkontaktzeit können live per App analysiert werden und geben dem Laufenden die Möglichkeit während der Einheit darauf zu reagieren. In Verbindung mit einem Brustgurt z. B. von Garmin oder Wahoo, die seit neuestem hier in unserem Paceheads-Laufshop bestellbar sind, lässt sich die finale Auswertung auf der weltgrößten Running Community Plattform MapMyRun auf ein neues Level heben. Die Wechselwirkung von Herzfrequenz, somit die Effizienz des Laufstils, und den Daten aus dem Schuh ist mehr als nur ein nettes Gimmick. Umso mehr gibt sie dem Laufenden neue Möglichkeiten aktiv an seinem Laufstil und -technik zu arbeiten und Leistungssteigerung zu erzielen.

Athlet mit TICKR X2 Brustgurt

Satte Dämpfung mit beachtlicher Stabilität

Viel Technik und Innovation. Auf dem Papier klingt das ja alles sehr nett und fortschrittlich. Aber was bringt die ganze Technologie, wenn sie in der Praxis nicht überzeugen kann. Also schnüre ich mir die Laufschuhe, lege meinen Brustgurt an und starte für euch meinen Testlauf.

Die HOVR MACHINA fühlen sich auf Anhieb bequem an und umschließt den Fuß mit dem netzartigen Obermaterial von allen Seiten perfekt. Mein Eindruck ist, dass gerade Läuferinnen und Läufer mit schmalen Füßen auf ihre Kosten kommen werden und am Vorfuß einen festen Sitz vorfinden. Der Fersenbereich ist stärker gepolstert, als ich es gewöhnt bin. Anfängliche Sorgen fehlendender Stabilität durch die weiche Umrundung des Achillessehnenbereichs konnten sich in keiner Weise bewahrheiten. Ganz im Gegenteil: Oftmals beim Laufschuhkauf aufgrund meiner Fersenform vor Herausforderungen gestellt, hatte ich mit dem HOVR MACHINA keine Probleme. Das weiche Material schmiegt sich an den Fuß und passt sich verschiedene Knochen- und Sehnenstrukturen an. Gummibänder verhindern das Rutschen der Lasche zu beiden Seiten und reduzieren selbst ohne Socken mit seiner glatter Oberfläche Druck- und Scheuerstellen.

Als verhältnismäßig leichter Läufer in den letzten Jahren eher mit minimalistischeren Schuhen mit geringer Sprengung unterwegs, muss ich mich erstmal wieder an die 18 mm bis 26 mm dicke Sohle und die acht Millimeter Sprengung des gut gedämpften Neutralschuhs gewöhnen, wobei die Sohlenhöhe immer noch satte 14 mm unter der maximal erlaubten Grenze des Leichtathletik Weltverbands liegt. Auf starke Dämpfung hatte ich bei meiner Laufschuhwahl bisher weitestgehend verzichtet. Umso überraschter bin ich vom direkten und dennoch spürbar rückfedernden Abdruckverhalten des Schuhs von Under Armour. Der Aufprall ist etwas weicher als gewohnt, keinesfalls aber schwammig. Das Gewicht von 281 g bei der Schuhgröße 42 ist für die satte Dämpfung und Stabilität bemerkenswert. Selbst auf Trails und in engen, schnellen Kurven gibt mir die Sohle ich ein stabiles unterstützendes Gefühl. Laut Hersteller wird dies durch die Gummiaußensohle aus abriebfesten Carbon-Gummi im Fersenbereich und aufgeschäumter Gummimischung am Vorfuß erreicht und dadurch die Abfederung gefördert und die Widerstandfähigkeit erhöht. Vom Gefühl her profitieren Fersenlaufende mehr davon, als Vorfußlaufende.

In meinen Augen hat Under Armour einen Allround-Wettkampf- und Trainingsschuh entwickelt, der auch für schwerere Läuferinnen und Läufer und zunehmend unsauberen Laufstil bei längeren Wettkämpfen eine gute Verbindung aus Energie-Rückstellung und Stabilität bietet und dabei Dämpfung und Gewicht nicht außeracht lässt. Der Federeffekt mag bei anderen Herstellern mit Vollcarbon-Platte stärker ausgeprägt sein, diese können beim Preis (160 € UVP) und der prophezeiten Lebensdauer mit dem HOVR MACHINA nicht ansatzweise mithalten. Für intensive Laufeinheiten und kurze Wettkämpfe ist mir persönlich der HOVR MACHINA dennoch ein Tick zu weich, stellt mir jedoch für lockere Läufe und längere Intervalle einen perfekten Begleiter dar.

Einziger Kritikpunkt: Nach Lebensende lässt sich der Schuh nicht mit dem Haushaltsmüll entsorgen, sondern muss durch den verbauten Sensor als Elektroschrott behandelt werden. In Zeiten von vieldiskutierten Themen wie Umweltschutz und Klimawandel hoffe ich, dass Under Armour darauf reagieren und eine kontrollierte Rücknahme abgelaufener Schuhe der Umwelt zuliebe einrichten wird.

Mein Fazit

Under Armour kann auch Laufschuhe. Wenn sie diesen Weg der Innovation fortsetzen, werden sie bald mehr, als nur eine aufstrebende Laufschuhmarke und aus der Läuferwelt nicht mehr wegzudenken sein.

Wieder zuhause angekommen, möchte ich meine neuen Freunde ungern wieder ausziehen. Doch dann freue ich mich: Jetzt geht’s ans Daten auswerten. Und meine Augen fangen an zu glänzen.

Bis dahin, bleibt gesund

Euer Elias von Paceheads


Paceheads Elias

Elias
Paceheads Profi-Triathlet & Coach.

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