BeSINNung statt Social-Media-Hype?! Wie Du herausfindest, WOFÜR Du wirklich trainierst.

Paceheads Athlet Besinnung

Wenn Du Teil 1 gelesen hast, weißt Du nun, auf welche resilienten Haltungen es auch als Sportler*in während des Corona-Lockdowns ankommt. Siehst Du die Chancen oder nur die Probleme?

Und jetzt mal ganz ehrlich: Wozu strampelst Du dich eigentlich auf dem Rollentrainer ab? Was genau bringt dir das? Um bei einem Wettkampf gut in Form zu sein? Doof nur, dass in 2020 womöglich gar keine stattfinden werden…

Zeit sich zu fragen, was Du dir durch das ständige Trainieren und Abrackern eigentlich erfüllst. Um das vollste Strava-Profil zu haben? Um täglich drei Workouts auf Instagram zu posten? Um abzunehmen? Egal, wie deine spontane Antwort darauf aussieht – ich wette hier und jetzt, dass es nicht der eigentliche Grund ist.

Lebe deine Werte - klingt das nach „Eso-Kram“?

Für mich ist eines ganz klar: Mit allem was Du tust, erfüllst Du dir mindestens einen deiner wichtigen Werte! Ob das jetzt das Trainieren ist oder irgendwas anderes. Und möglicherweise wird dir, wie vielen anderen auch, wahrscheinlich nicht klar sein, wie deine Werte genau aussehen.

„Wert“ klingt ja recht hochtrabend, für einige vielleicht sogar esoterisch. Aber achtung: Hier kommt meine persönliche Überzeugung, nachdem ich mich jetzt seit knapp zehn Jahren damit beschäftigt habe: 

Unser aller naturgegebenes Bedürfnis ist es, unsere persönlichen Werte zu kennen und zu leben!

Bäm. Das ist es. Wenn Du DAS schaffst, wirst Du glücklich. Ernsthaft, so sehe ich das. Gerade in den sozialen Medien – und dazu zähle ich auch Strava, Garmin Connect, Zwift etc. – frage ich mich doch hin und wieder, wofür genau der eine oder die andere sogar den Sonntagsspaziergang mit der Familie oder die drei Minuten Fußweg zum Bäcker in ihr Profil laden. Erhöht die Gesamtdistanz des Profils für das Jahr, schon klar… Doch was erfüllst Du dir damit?

Wer sich selbst gut kennt, ist ein besserer Athlet!

Ob Du nun Profi bist, Amateur*in oder total am Anfang deiner Ausdauersportkarriere stehst, das Prinzip ist in meinen Augen das gleiche. Nehmen wir an, ich würde dich fragen, was durch dein Training für dich möglich wird. „Wettkampfvorbereitung“ könntest Du antworten. Und was wird durch Wettkampfvorbereitung für dich möglich? „Ne geile Performance in Roth“ könntest Du antworten. Und was wird dadurch wieder für dich möglich? „Hmm. Ruhm und Ehre“ könntest Du sagen. Aha. Und jetzt wird es interessant. Was wäre wohl deine nächste Antwort, wenn ich abermals fragen würde?

Ruhm und Ehre können nur Mittel zum Zweck sein. Ebenso wie Geld übrigens. Wenn Du meinst viel arbeiten zu müssen, um viel Geld zu verdienen, kann Geld dennoch nie dein innerer Wert sein. Was Du dir von dem Geld erMÖGLICHen wirst ist entscheidend – und wahrscheinlich einer deiner Werte. Kennst Du deine Werte, kannst Du bewusster leben. Je bewusster, desto resilienter, desto erfolgreicher.

So kannst Du dir deine Werte bewusst machen

Es ist im Grunde nicht schwer. Jede x-beliebige Tätigkeit im Alltag kannst Du dafür nehmen. Ob es nun das Trainieren ist oder das Abwaschen.

  1. Nimm dir eine ruhige Minute, in der Du ungestört bist. Dann befrage dich selbst:
  2. Was wird für mich möglich, wenn ich „XY“ (z.B. auf der Rolle sitze) tue? Antwort A
  3. Was wird für mich möglich, wenn Antwort A erfüllt ist? Antwort B
  4. Was wird für mich möglich, wenn Antwort B erfüllt ist? Antwort C
  5. Was wird für mich möglich, wenn Antwort C erfüllt ist? Antwort D
  6. Was wird für mich möglich, wenn Antwort D erfüllt ist? Antwort E

Sich fünf Mal diese Frage zu stellen reicht in der Regel. Jedes Mal rutschst Du eine „Ebene tiefer“. Wenn sich eine Antwort wiederholt oder Du zu lange nachdenken musst, ist einer deiner wichtigen Werte möglicherweise erreicht. Kennst Du deine Werte, deinen Kompass, kannst Du dich immer daran orientieren.

Ich hab das schon oft gemacht. Es war ein langer Prozess doch ich weiß heute, dass Liebe, Freiheit und Leistung (so wie ich diese Begriffe definiere) mir als Werte am wichtigsten sind. Genau in dieser Reihenfolge. So kann ich auch viel gelassener damit umgehen, dass ich momentan 24/7 mit meinen zwei Kids verbringe und weniger trainieren kann – Liebe steht bei mir halt über Leistung.

Für mich gehört all das zu Resilienz dazu und ich bin begeistert von diesem Thema. Dass ich hierüber auch noch in Coachings, Trainings und Vorträgen sprechen darf, erfüllt mich sehr. Weil ich weiß, was dadurch für mich und mein Gegenüber MÖGLICH ist. Weil ich Chancen sehe und sie verwirkliche, für mich und andere. Lass es dir gut gehen!

Niels Mentalcoach

Niels
Sportwissenschaftler & Resilienz Coach

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